Episode 4 "Nobody is safe in Kashmir!"
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Warum die Fotojournalistin Masrat Zahra für ein Jahr nach Hamburg kam

Es war die Lieblingsroute der Hippies: Kabul im Frühsommer. Kathmandu im Schatten des Himalayas in den heißen Monaten. Und wenn es sich die Reisenden aus Europa und Nordamerika dann noch leisten konnten oder wollten, verbrachten sie den Winter in Kashmirs Sommerhauptstadt Srinagar.

Nichts ist von dieser Leichtigkeit des Seins geblieben. Die afghanische Hauptstadt bereitet sich auf die nächste Angriffswelle der Taliban vor. Nepal fühlt sich zunehmend vom großen Nachbarn China bedrängt. Und in der Dauer-krisen Region Jammu & Kashmir glaubt Indiens nationalistischer Premier Narendra Modi, die wachsende Wut der muslimischen Mehrheit mit massiver Truppenpräsenz dauerhaft in Schach halten zu können.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die mutige Arbeit der kashmirischen Foto-Journalistin Masrat Zahra zusätzlich an Bedeutung. Nicht nur geniesst die erste einheimische Krisen-Reporterin längst den Respekt ihrer männlichen Kollegen. Durch ihren besonderen Blick für das Leid von Frauen und Kinder gibt sie denen eine Öffentlichkeit, die in dem Narrativ des Konflikts bislang kaum Beachtung fanden.

„Meine erste Reportage von der hochschwangeren 24jährigen Witwe eines von indischen Soldaten erschossenen Demonstranten und ihrem erstgeborenen Töchterchen war nur möglich, weil ich ihr von Frau zu Frau und auf Augenhöhe begegnete“, sagt Masrat Zahra.

Längst sind auch internationale Medien auf die junge Fotografin aufmerksam geworden. Ihre Bilder erscheinen u.a. in der Washington Post, Al Jazeera und TRT World. Es hat erste Ausstellungen ihrer Arbeiten gegeben. Und im Jahr 2020 erhielt sie den „Peter Mackler Award for Ethical and Courageous Journalism“ und den „Anja Niedringshaus Courage in Photojournalism Award“.

So viel Aufmerksamkeit hat die indischen Antiterror Fahnder auf den Plan gerufen. Weil sie eigene Bilder auf die eigene Webseite geladen hatte, wurde Masrat Zahra von der „Cyber Police“ in Srinagar zum Verhör einbestellt. Das Verfahren wegen des Verdachts auf „terrorverdächtige“ Aktivitäten läuft. Ihr drohen bis zu sieben Jahren Haft.

Im Frühling 2021 trat die Journalistin ein einjähriges Auszeitstipendium der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte an. „Hier will ich Kontakte knüpfen und mich fortbilden“, betont Masrat Zahra. „Ich bin nicht im Exil!“ Im nächsten Jahr will sie auf jeden Fall zurück an die Arbeit - in Kashmir.

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