#061 Fearless Bandbreite — Interview mit John Aigner über Mannsein, Identität, toxische Männlichkeit und …
Play • 1 hr 3 min
… warum Männer die Bandbreite ihrer Identität entdecken müssen

Im Podcast Interview berichtet John Aigner, Männercoach und Mentor für Männer aus Berlin, Kopf der Männerorganisation 'MALEvolution' und der jährlich stattfindenden Konferenz 'MANN SEIN', wie die verringerte Bandbreite der männlichen Emotionalität letztlich zu einer Limitierung des Mannes im Menschsein führt. Er beschäftigt sich mit Kommunikation, Menschenführung, Sexualwissenschaft und Psychologie, gibt regelmäßig Männer-Workshops und Männerstammtische in Berlin, um anderen Männern die Bandbreite ihrer Individualität zugänglich zu machen.

Die Begrenzung der Sichtweise auf Männlichkeit bedingt auch eine Limitierung des Mannes im Menschsein

"Es ist ja fast wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass Männer bestimmte Gefühle nicht haben dürfen und immer Lösungen parat haben sollen. Da sind wir bei den Themen Angst vor Schwäche, Angst vor Weiblichkeit. Verhaltensweisen, die uns Männern einmassiert wurden, die uns aber nicht mehr dienen, weil sie uns nicht ganz Mensch sein lassen", erklärt John im FearlessCulture Podcast und ergänzt: "Ich glaube schon, dass es da Wege rausgibt. Schon allein dadurch, dass wir sagen, wir sind viel individueller, als wir es mal sein durften, inklusive unserer Emotionalität. Diese jedoch darf eine deutlich größere Bandbreite haben."

"Ich verallgemeinere jetzt ein bisschen, wenn ich sage, dass wir gerade in einem Zeitgeist leben, der die Männlichkeit ganz hart kritisch hinterfragt. Es geht nicht darum, wieder dahin zu kommen, wie es früher war, zu den oppressiv patriarchalen Strukturen. Das ist nach hinten losgegangen – übrigens auch für uns Männer, weil wir uns nicht mehr trauen konnten, Mensch zu sein. Oder weil Männer gemeint haben, bestimmte Verhaltensweisen, die als schwach, weiblich, homosexuell oder wie auch immer konnotiert waren, auf keinen Fall haben zu dürfen. Deshalb spreche ich von einer Verringerung der Bandbreite auf ein bestimmtes Set von Emotionen und Attributen, die wir nach außen tragen durften", sagt der Männer Coach. Was wir jetzt zum Teil noch erleben. Doch durch die Begrenzung der Sichtweise auf Männlichkeit hat auch eine Limitierung des Mannes im Menschsein stattgefunden.

Wir müssen uns nicht nur über die Gewaltbereitschaft von Männern unterhalten, sondern deren Ursachen untersuchen

"Der männliche Teil des Menschseins ist nicht Männern vorbehalten. Und trotzdem lässt sich grob und pauschalisiert statistisch festhalten, dass (biologische) Männer einen erhöhten Anteil von Muskeln und einen ebenso erhöhten Bewegungsdrang haben. Jetzt muss die Frage gestellt werden, wo in unserer Gesellschaft dieses seinen Raum finden darf", sagt der Begründer der 'MALEvolution' im FearlessCulture Podcast. "Die Schattenseiten von unterdrückter und ungelenkter Emotionalität und unausgeglichener Körperlichkeit in Form von – absolut zu verurteilender – häuslicher Gewalt und Zerstörung kennen wir, mindestens aus den Medien."

"Aber es wird doch allerhöchste Zeit, dass wir uns nicht nur über die Gewaltbereitschaft von Männern unterhalten, sondern deren Ursachen untersuchen. Dass wir uns Fragen, warum (meistens) Männer keine andere Ausdrucksform als Gewalt finden? Warum gerade Männer der Zugang zu ihrer Emotionalität verschlossen bleibt. Genau dem wird jedoch weder Rechnung getragen noch gibt es einen konstruktiven Umgang mit dieser (meist) in Männern liegenden Kraft. Doch zu lernen, damit umzugehen, ist essentiell."

LINKS

– John Aigner –

Die Website von Mannsvolk

Die Mann Sein Konferenz Malevolution

Die ARD Reportage Rabiat von David Donschen, in der John ebenfalls einen Beitrag leistet und du ihn gleich in Action erleben kannst: Mannomann! Moderne Männer, wo seid ihr? Der deutsche Mann ist auf der Suche - nach sich selbst

– Medien –

Eisenhans Ein Buch über Männer (2005) von Robert Bly Das Buch bei Amazon

More episodes
Search
Clear search
Close search
Google apps
Main menu