Eros und Psyche
Eros und Psyche
Feb 17, 2021
Warum macht uns die Macht so geil? Das Gespräch mit Dominus Nox Part II
Play • 54 min

Dieses Gespräch bringt uns auf die theoretische Ebene, der Frage, warum Macht für uns so sexualisierend ist. Für Nox hängt es auch damit zusammen, wer Sex initialisiert. Das Spiel mit der Macht dient dem Schutz und Befreiung. Es schützt nämlich vor Ablehnung und es befreit von der Angst, etwas auszuprobieren, was man selber nicht ganz genau einordnen oder benennen kann. Eine elegante Lösung in einem sozial-sexuellen Dilemma?
Das Spiel erlaubt einem Menschen etwas innerhalb der Sexualität vorzuschlagen, ohne das Risiko zu haben, dass es zu einem eineindeutigen, komischen bzw. unangenehmen Moment kommt. Wer hätte gedacht, dass Machtspiel soviel zusätzlichen Raum für die Personen Raum bietet?
Was passiert mit der Verantwortung, wenn macht verteilt wird? Auch das ist nicht einfach zu beantworten und es hängt stark davon ab, welche Konstellation sich die Akteure wünschen.
Ausserdem ist es sehr schwierig eine Balance zwischen Aufregung und Sicherheit zu finden, denn genau dieser Cocktail macht es für die Personen innerhalb der Sexualität ein ganz neues Licht in die «Partnerschaft» bringen kann. Das hinge laut Nox mit unseren inneren «Persönlichkeiten» zusammen, vor allem mit denen, die wir nicht frei und überall zum Vorschein bringen dürfen. Das Spiel mit der Macht erlaubt es uns die Verantwortung für die Eigenkontrolle abzulegen, das rohe und wilde Ich zu entfesseln.
Es geht aber weiter, das Spiel mit der Macht führt zu der Frage «Kann mich mein Partner auf die rohe Art und Weise aushalten, und nicht nur aushalten sondern vielleicht sogar lieben und feiern?»
Zuletzt wird es dann noch nerobiologisch-psychologisch, denn Nox spricht über die Rolle des Serotonins innerhalb der sexuellen Machtspiele. Testosteron dürfen wir natürlich auch nicht vergessen. Macht als solches ist einfach die Möglichkeit über Ressourcen zu bestimmen, diese jemanden zur Verfügung zu stellen oder zu entziehen, aber im sexuellen Rahmen geht es mehr um ein Verhältnis zwischen Menschen mit verschiedenen sozialen Status. Einfach zusammengefasst: Wer über Ressourcen bestimmt hat Macht, das macht diese Person begehrt, denn Ressourcen sind begehrt. Macht also führt zur erhöhtem Begehren.
Es scheint Nox so zu sein, dass Macht nicht ein Teil vom Haben, sondern ein Teil vom Sein darstellt. Macht als Teil unserer Persönlichkeit könnte den Grossteil der Machtfaszination ausmachen.

Zum wiederholten Mal, schaffte Dominus Nox, ein komplexes und faszinierendes Thema wunderbar aufzuarbeiten. Findet ihr nicht?

Viel Spass!

Gast: Dominus Nox, auf Fetlife und Dominus_Nox auffindbar
Host: Michal Hulik, Psychologe und medizinischer Podcaster 

Literatur:

Bezreh, T., Weinberg, T. S., & Edgar, T. (2012). BDSM Disclosure and Stigma Management: Identifying Opportunities for Sex Education. American Journal of Sexuality Education, 7(1), 37-61. doi: 10.1080/15546128.2012.650984

Bourdage, J. S., Lee, K., Ashton, M. C., & Perry, A. (2007). Big Five and HEXACO model personality correlates of sexuality. Personality and Individual Differences, 43(6), 1506-1516. doi: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0191886907001584

Gaither, G. A., & Sellbom, M. (2003). The Sexual Sensation Seeking Scale: Reliablity and Validity Within a Heterosexual College Student Sample. Journal of Personality Assessment, 81(2), 157-167. doi: 10.1207/s15327752jpa8102_07

Malouff, J. M., Thorsteinsson, E. B., & Schutte, N. S. (2005). The Relationship Between the Five-Factor Model of Personality and Symptoms of Clinical Disorders: A Meta-Analysis. Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment, 27(2), 101-114.

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