Die toten Jungen unserer Heimatstadt
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Die Schatten an den Wänden
unserer Heimatstadt schweigen für immer.
Manchmal gibt es Menschen,
die einen solchen Eindruck hinterlassen, wenn
sie den Raum betreten, dass man im
Kopf ganze Gespräche mit ihnen führt und
Korrespondenzen,
nachdem sie den Ort, an dem man ist
bereits verlassen haben,
oder man selbst den Ort verließ,
an dem sie waren.
Ohne, dass man auch nur einen Namen kennt.
Man begegnet ihnen in Bibliotheken,
in Kinos und an Autobahn-Raststätten.
Sie tragen ungewöhnliche
Kleidung oder welche die so nichtssagend ist,
dass es einen umso mehr überrascht.
Einige strahlen das volle Leben aus,
andere eine ungewöhnliche Leere.
Es ist eine Differenz zwischen ihrer Haut
und ihrem Inneren, das sich entweder
weit hinter diese zurückgezogen hat,
oder viel mehr Raum einnimmt und
außerhalb des Körpers im Zimmer alles verändert,
wie ein Loch, aus dem es von der Decke tropft.
Sie schweigen,
sie beobachten
und sind im Aufbruch begriffen.
Die toten Jungen unserer Heimatstadt,
die an anderen Orten unter anderen Namen leben,
können nicht mehr sprechen und sagen
doch so viel, da sie
uns mit ihrem Verschwinden kalt erwischt haben.
Man ist sich nicht sicher,
ob das Vakuum, das sie hinterlassen,
größer oder kleiner ist, als man es erwartet hätte.
Manche Dinge kann man sich nicht vorstellen,
kann man nicht beschreiben, bis man sie erlebt hat.
Und am Ende ist man sich überhaupt nicht sicher,
was man denn erwartet hat.
Wie viel Wärme im unbeachteten Baum am Wegrand steckt,
kann einen erst die Asche lehren.
Bei manchen Menschen ist es so ähnlich,
obwohl sie, anders als die Bäume,
Stimmen haben,
Ohren jedoch,
sind seit jeher Mangelware in der Welt.

Kerim Mallée

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